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| Sex and Crime auf der Opernbühne |
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Am 3. Mai 2008 besucht der Grundkurs 12 – Latein die Oper in Gelsenkirchen Aus aktuellem Anlass, die Lektüre einiger philosophischer Schriften Senecas in unserem Lateinkurs und der 400. Geburtstag der Oper, fasste Herr Dr. Schlüter – wie immer sehr um unsere Allgemeinbildung und unser Kulturverständnis bemüht – den Entschluss, uns die stoische Lebensphilosophie Senecas mithilfe eines Opernbesuchs nahezubringen. Seneca widmete sich ? wie die späte Stoa überhaupt ? vornehmlich der Frage nach der rechten Lebensführung, insbesondere der Ethik, die er als unabdingbar für das menschliche Glück betrachtete. Wie für die stoische Philosophie typisch, verkörperte auch Seneca in seinem Denken und Handeln emotionale Selbstbeherrschung, Gelassenheit und Weisheit. Diese Gelassenheit ermöglichte ihm zudem, seinem Tod ohne Furcht entgegenzusehen, ja ihn sogar als Erlösung zu betrachten. Er wählte daher im Jahre 65 n. Chr. den Freitod, der laut seiner philosophischen Überzeugung das Tor vom menschlichen Dasein zum göttlichen Leben darstellte: „O ich Glücklicher! Habe ich bis jetzt das Leben eines Menschen geführt, so verheißt der Tod ein göttliches Leben.“ (Zitiert aus dem Libretto der Oper) „Die Krönung der Poppea“ von Claudio Monteverdi (1567 - 1643) spielt zu Zeiten des Kaisers Nero (62 n.Chr.) in Rom. Damals gelingt es Nero durch eine List seine geliebte Poppea von ihrem Mann, einem vornehmen Römer, wegzulocken, um sich selbst mit ihr zu vergnügen. Der verzweifelte Ehemann sieht sich seiner Poppea beraubt und lässt seinem Wahnsinn und seiner Verzweiflung freien Lauf. Ottavia, Neros Gattin, befielt dem Verzweifelten Poppea zu töten.
Als Drusilla verkleidet betritt er Poppeas Garten, Amor jedoch tritt dazwischen und verhindert den Mord. Nero verstößt Ottavia, gegen den Rat Senecas und nimmt Poppea zur Frau. Seneca, dessen moralische Ansichten Nero in seinem Liebeswahn missfallen, wählt nach Aufforderung Neros den Freitod und Ottavia wird aus Rom verbannt. Dargestellt wurde das mitreißende Liebesdrama mithilfe eines geschickt arrangierten Bühnenbilds und einer überzeugenden Darbietung der Akteure.Der Mittelteil der Bühne, ein sich drehendes dreiteiliges Element, ermöglichte es, viele verschiedene Schauplätze darzustellen. Elemente wie eine blutüberströmte Badewanne als Selbstmordstätte Senecas verliehen den einzelnen Szenen, zusätzlich zur Handlung selbst, noch ein Entscheidendes an Dramatik. Auch die musikalische Inszenierung bot, dank einer Mischung von barocken und modernen Instrumenten, viel Abwechslung. Aufgelockert wurde die gesamte Handlung durch die Verwendung von ungewöhnlichen Instrumenten, die zu Monteverdis Zeiten eher untypisch gewesen sein dürften. Beispiele hierfür sind das Einbringen eines Akkordeons sowie eines Vibraphons. Ebenfalls abwechslungsreich erschien die Umgestaltung der musikalischen Linie zu lockerem Jazz während einer Bar-Szene. Die eigentliche Hauptrolle der Oper spielt in dieser Inszenierung der Gott Amor, welcher in fast jeder Szene anwesend ist und die Fäden des Schicksals in der Hand zu halten scheint.
Der gesamte Lateinkurs war von diesem kulturellen Ausflug ins Ruhrgebiet sehr begeistert, besonders weil die Inszenierung sich als wesentlich abwechslungsreicher und farbenfroher herausstellte als zuvor angenommen. Witzige Elemente wie Amor oder die Amme, die sehr überzeugend von einem Mann gespielt wurde, amüsierten sowohl uns als auch Herrn Dr. Schlüter. Schaltete man die Vernunft aus und ließ „[...] die sinnliche Kraft der Oper den [eigenen] Geist wecken [...]“, so fiel es nicht mal uns, den Oper-Neulingen, schwer Zutritt zum „Feenreich“ der Oper zu erlangen. Diese Einstellung des Spiegelredaktuers Joachim Kronsbein teilen auch wir, ebenso finden wir, dass gerade die Gelsenkirchener Interpretation Monteverdis – nicht zuletzt wegen einiger moderner Elemente – den typischen Dreiklang der Operngattung „Drama, Liebe, Wahnsinn“ besonders anschaulich zum Ausdruck brachte. Die Opernmuffel, die also weiterhin der Meinung sein sollten, Oper sei langweilig, spießig und altmodisch, können wir eines Besseren belehren. Wir bedanken uns bei Herrn Dr. Schlüter und sind ab sofort bekennende Opernfans! Glückwunsch, Oper, zum 400. Geburtstag! Kerstin Ling & Clarisse Höhle |



