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Argentinien - Austausch
Argentinien 2011: Zwei MSM-Schüler berichten von ihren Austauscherfahrungen

Dominik Gassner (11.Jg./Q1): „Vor fast genau einem  Jahr, in der Woche vor den Herbstferien 2010, hatten einige Schüler unserer Jahrgangsstufe das Glück,  für eine Woche im Zuge eines kleinen Austausches mit unseren Spanischlehrern nach ElMasnou, einem Ort ganz in der Nähe von Barcelona, zu reisen. Für mich war die Vorstellung eines Austausches immer sehr interessant, allerdings wollte ich nicht wie der Großteil der Schüler meiner Stufe in die USA, sondern in ein spanischsprachiges Land, wenn möglich aber nicht nach Spanien, sondern nach Südamerika. Im Weg stand leider immer die Frage "Wie lange?". Deshalb betrachtete ich den einwöchigen Austausch nach Barcelona als Möglichkeit für mich, diese Frage endlich beantworten zu können. Gesagt,  getan, und an dem Tag an dem ich wieder aus Spanien nach Hause kam, war für mich klar, dass diese sechs Tage definitiv viel zu kurz waren. Seither stand für mich der Zeitraum fest: Ich wollte für drei Monate weg aus Deutschland – an die Pestalozzi-Schule nach Buenos Aires! Viele werden sich an dieser Stelle wahrscheinlich fragen, wieso ich einen vergleichsweise kurzen Zeitraum gewählt habe, während die meisten Schüler normalerweise über ein ganzes Jahr verreisen. Die Antwort ist einfach: Da ich mich erst spät für diesen Austausch entschieden habe, und sich der Zeitraum keines Falls mit dem Beginn des nächsten Schuljahres 2011/2012 überschneiden durfte, da ich sonst die 11. Klasse (Q1) hätte wiederholen müsste. Zudem wollte ich nicht zu viel Unterricht verpassen, um nach meiner Rückkehr wochenlang alles aufholen zu müssen. Ich entschied mich im Endeffekt dafür, meinen Abflugtermin einige Wochen vor die Sommerferien zu legen, da ich dadurch auch noch fünf Wochen meiner Ferien in Argentinien verbringen konnte. Ein Dank geht an dieser Stelle auch an Frau Dietrich, die den Kontakt zu der argentinischen Schule hergestellt hatte und mich immer mit den wichtigsten Dokumenten und Informationen für den Austausch versorgte.

Durch den Vulkanausbruch in Chile wurde mein Flug, als wir eigentlich schon über Argentinien waren, plötzlich nach Rio de Janeiro umgeleitet, also landete ich ca. 2000 km Luftlinie von meinem eigentlichen Ziel entfernt, nach über 30 schlaflosen Stunden kam ich aber endlich in meinem Hotel in Rio an. Das war also mein Start in den Austausch, aber positiv gesehen konnte es ab diesem Zeitpunkt nur noch bergauf gehen. Nach vier endlos wirkenden Tagen konnte ich endlich meinen Anschlussflug nach Buenos Aires antreten, also hatte ich das erste Abenteuer schon hinter mir, bevor ich überhaupt richtig angekommen war. Als mich meine Gastfamilie am Flughafen abholte, begann der wohl beste Teil meiner Reise, und am ersten Abend war ich einfach nur froh, endlich in meinem "eigenen“ Bett schlafen zu können. Am nächsten Morgen folgte der erste Besuch der Schule, an der ich ebenfalls ganz herzlich begrüßt wurde.

Da Sandra in ihrem Bericht die wichtigsten Fakten nennt, möchte ich mich hier auf ein paar andere Sachen beschränken, die ich erfahren durfte. Als mich meine Gasteltern vor dem Antritt meiner Reise per E-Mail fragten, was ich denn gerne sehen würde, wenn ich bei ihnen sein würde, fiel mir nichts anderes ein, als zu sagen, dass es seit Jahren ein Traum von mir ist, ein Spiel meines argentinischen Lieblingsvereins, den Boca Juniors zu sehen. Dieser Wunsch wurde mir sogar ermöglicht, und das in einem Stadion, in dem es wohl die besten Fans der Welt gibt, in einem Land, in dem Fußball mit einer Religion gleichzusetzen ist!

Des Weiteren fuhr ich zwei Mal mit meiner Familie in den Urlaub, das erste Mal nach Iguazú, einem Ort welcher sich ganz im Norden von Argentinien befindet, nämlich direkt an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien und in der Nähe von Paraguay. Die Lage an sich ist allerdings nicht das Besondere, sondern die weltweit größten Wasserfälle, die sich dort über 2,7 km ausdehnen und bis zu 82 Metern hoch sind. Dieses Naturphänomen war wohl das Schönste und Atemberaubendste, was ich bis jetzt in meinem Leben gesehen habe! Unser zweiter Ausflug führte uns nach Patagonien, genauer gesagt nach Puerto Madryn, einem Ort direkt am Atlantischen Ozean, wo wir uns drei Tage aufhielten, um an Whale-Watching-Touren teilzunehmen, aber auch um die Region etwas näher kennenzulernen. Bei unseren Ausflügen auf dem Meer hatten wir das Glück, einen ganz besonders netten Wal kennen zu lernen, der so nah an unserem Boot schwamm, dass man ihn sogar anfassen konnte. Wie uns danach mitgeteilt wurde, hatten wir ein Riesenglück, da es pro Saison nur zwei bis drei mal vorkommt, dass sich Wale so nah ans Boot wagen!

Da Sandra ja mehr Dinge aus Buenos Aires schildert, habe ich mich nur auf ein paar Erlebnisse beschränkt, möchte alles in allem aber sagen, dass ich wirklich JEDEM diesen Austausch ans Herz legen kann, weil es wirklich eine Möglichkeit ist, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Man wird so herzlich empfangen und aufgenommen, dass es einem überhaupt nicht schwerfällt sich in sein neues Umfeld einzufügen, also macht euch keine Sorgen, sondern lasst es einfach auf euch zukommen. Ich persönlich werde schon nächstes Jahr an Weihnachten wieder nach Argentinien zurückkehren, um mit meiner Gastfamilie Heiligabend am Strand zu erleben, und natürlich auch um meine argentinischen Freunde wieder zu treffen! Falls jemand Fragen zu diesem Austausch hat, bin ich natürlich sehr sehr gerne bereit eventuelle Fragen zu beantworten, da es noch viel mehr zu sagen gibt, als das, was man in diesem Artikel lesen kann. In diesem Sinne: Esperoque les hayagustado y hastaluego!“

Sandra Engelmann (11.Jg./Q1): „Dass das MSM einen Austausch mit einer Schule in Buenos Aires anbietet, wusste ich schon länger, weil mein Bruder vor zwei Jahren schon in Argentinien war und es toll fand; darum stand für mich schon früh fest: Ich will auch nach Argentinien! Der Aufenthalt und der Flug waren zwar seit einigen Monaten organisiert worden, doch ich glaube so richtig habe ich alles erst realisiert, als ich in Frankfurt in den Flieger stieg und dann am nächsten Tag in Buenos Aires wieder ausstieg. Meine Gastfamilie war sehr nett und ich wurde sofort herzlich empfangen. Anfangs hab ich fast gar nichts verstanden und  meine Austauschpartnerin redete mit mir auch manchmal deutsch.

Mein erster Schultag verlief anders, als ich es erwartet hatte. Alle begrüßten mich direkt mit Küsschen aufdie Wange begrüßt und es war schwer, sich die ganzen neuen Namen zu merken. Aber dann begann der Unterricht und es war sehr anders als hier. Zum einen, weil zwischen Lehrer und Schülern eine ganz andere Beziehung herrscht, aber auch von der Lautstärke und vom Arbeitsverhalten her. Sonst war die Schule sehr schön, und ich fand mich schnell zurecht.Was ich anfangs komisch fand, war, dass das Tor vor derSchule während des Unterrichts zu ist, damit die Schüler nicht einfach nach Hause gehen können, wenn sie keine Lust mehr auf Schule haben. Ich fand sehr gut, dass wir von der Schule aus Spanischunterricht mit einer deutschen Praktikantin hatten, weil man da z.B. auch nochmal etwas über die unterschiedlichen Vergangenheitszeiten lernte, worauf man beim spontanen Sprechen in der Familie oder mit Freunden zum Beispiel gar nicht achtete. Außerdem hatten wir jedem Mittwoch einen Ausflugstag, an dem wir unter anderem in den Stadtteilen Palermo und La Boca, im Teatro Colón oder auch mal im MALBA(Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires) waren. Die Schule war aber auch sehr entgegenkommend, wenn man mal während der Schulzeit etwas machen wollte, zum Beispiel bin ich mit fünf anderen Mädchen während der Schulzeit für fünf Tage zu den bekannten WasserfällenIguazú gefahren und das war kein Problem, man musste nur rechtzeitig Bescheid sagen, und nicht -wie es in ArgentinienGewohnheit ist- alles spontan und auf den letzten Drücker.

Die anderen Deutschen waren alle sehr nett und die Gruppe wuchs und wuchs. Als ich ankam, waren wir ca. zehn Deutsche und gegen Anfang August bestimmt über 20. Die Argentinier waren auch alle nett und man konnte sich, auch wenn man nicht immerjedes Wort verstand, gut mit ihnen unterhalten, und auf jeden Fall hatte man mit ihnen viel Spaß. Wir waren auch auf einer Quince, ein wichtiges Event, bei dem der 15. Geburtstag eines Mädchens gefeiert wird, und es war wirklich ganz anders, als wenn man in Deutschland einen fünfzehnten Geburtstag feiert. Allein der riesige Saal und das Drei-Gänge-Menü waren schon umwerfend, doch auch alle in Kleidern oder Anzügen und dann mit ca. hundertfünfzig Leuten, mit Musik und es gab sogar einen Kamerakran.

Da es Winter war, war es auch an manchen Tagen richtig kalt, aber sonst mit sechs bis fünfzehn Grad auf jeden Fall angenehmer als die Winter hier in Deutschland. Außerdem hatten wir fast immer blauen Himmel und das verhindert die schlechte Laune, die man oft bei kaltem Wetter hat, fast immer.Was ich inArgentinienleider sehr extrem fand, war der Unterschied zwischen arm und reich. Oder auch, dass man nicht aus dem Haus gehen konnte, ohne Angst zu haben, Opfer eines Taschendiebes zu werden. In der Schule lernten wir auch etwas zu der Organisation Usá la basuraund zur Mülltrennung. Dadurch sah man nochmal, wie weiter entwickelt Deutschland doch ist im Gegensatz zu Argentinien.Insgesamt habe ich viel gelernt, aber nicht nur, was die Sprache angeht, sondern auch zur Geschichte und Kultur Argentiniens und ich kann diesen Austausch jedem weiterempfehlen, der Spaß an der Sprache hat und auch gerne mal etwas von anderen Ländern sehen möchte.“